Die erste Arbeitswoche

September 9th, 2007
Siemens zahlt für jeden neuen Praktikanten 13 Nächte im Holiday Inn, inklusive Frühstück. Deswegen bleiben auch viele so lange wie möglich obwohl sie bereits eine Wohnung gefunden haben, denn zugegeben, es ist schon sehr angenehm, sich bedienen zu lassen und sich täglich in ein frisch gemachtes Bett zu legen. Weil man sich öfters am Frühstück über den Weg läuft, lernt man den Einen oder den Anderen kennen, und jetzt besteht unsere kleine Gruppe aus zwei deutschen, drei franzosen, einem Vietamesen und einem Schweizer, der allerdings bei den Japanern von NEC in der Nähe von SCR sein Praktikum absolviert.

Florentin, Adrien, Mickael, Morgane, Hahn, Michael und meine Wenigkeit waren am selben Tag noch in Princeton essen, und gehen seitdem auch öfters zusammen einkaufen und teilen uns die Autos. Englisch ist die einzige Sprache, die jeder versteht, und deswegen wird auch englisch gesprochen, wenn alle mal zusammen sind. Der Vietnamese wohnt allerdings in Deutschland, und der Schweizer ist des französischen mächtig, weil er in Lausanne studiert - oft wird also deutsch und französisch geplaudert :D

Bis Montag konnten wir machen, was wir wollten, denn Montag war Feiertag. Dienstag um 9 Uhr ging es dann los. Nach dem Fühstück haben wir uns alle vor dem Hotel getroffen, haben uns in Autos aufgeteilt und sind losgezogen. Das Hotel ist nur 2.5 Meilen von SCR entfernt, man fährt ungefähr 5 Minuten. Wir kommen vor dem weißen Gebäude an und gehen ganz neugierig rein. Jeder bekommt einen Visitor-Ausweis, und dann mussten wir erstmal kräftig Papiere ausfüllen. Dann wurden wir in Gruppen aufgeteilt, die dann später an verschiedenen Projektpartien arbeiten werden.

Ich bin mit Adrien in einer Gruppe, und ein junger ex-intern, der jetzt hier fest angestellt ist, erklärt uns allen rasch worum es bei dem Projekt geht, aber keiner versteht wirklich etwas. Wir bekommen unsere Arbeitsplätze und Benutzerkonten wurden bereits eingerichtet. Die ganze Abteilung in der wir sind (Automation & Control) ist auf zwei Stockwerken verteilt, und fast alle arbeiten in “Cubicles”. Da es keine bessere deutsche Übersetzung als “abgetrennte Räume” gibt, hier habt Ihr zwei Bilder:

Es laufen überall Deutsche, Inder, Chinesen, Franzosen und Schweizer rum. Unser Chef sagte sogar, dass mehr als 60 Länder bei SCR vertreten sind (von 255 Weltweit, oder so). Wir haben noch keine wirklichen Aufgaben bekommen, das kommt erst in den nächsten Wochen. Wir haben die Woche versucht, uns einzulesen, und uns mit der neuen Umgebung vertraut zu machen. Coole Sache bei SCR: Café und Getränke sind kostenlos ! Es stehen dort 3 Soda Automaten rum, die zwar wie alle anderen Automaten aussehen, aber die kein Geld verlangen. Es gibt Cola und ungefähr 15 andere Getränke. Kaffee und Tee werden auch angeboten.

Bei SCR hat es keine Kantine, allerdings wird hin und wieder mal Essen von Meetings kostenlos angeboten, und man kann auch sein eigenes Essen morgens mitbringen und in einen Kühlschrank stellen. Mit einer der Mikrowellen kann man dann sein Essen aufwärmen und anschließend in dem Multi Purpose Room genießen. Fotografieren ist bei SCR nur bedingt erlaubt, oder eher toleriert… Mal sehen, ob ich später noch andere Bilder schießen kann. Deswegen erzähl ich jetzt von meiner Wohnungssuche :)

Ich hatte schon von Frankreich aus versucht, irgend eine WG zu finden. Meine Suche war nur halbwegs erfolgreich, da ich zwar Etwas gefunden hatte, aber es war sehr teuer. Ich habe mir die Wohnung mit Flo dennoch angeschaut, und ich hätte sie auch genommen wenn ich nichts anderes gefunden hätte. Ich hatte ja noch ein paar bezahlte Tage im Hotel. Am ersten Tag habe wir eine Liste bekommen, auf der viele Siemens-Angestellte ein Zimmer zu vermieten hatten. Ich habe auf gut Glück den ersten angeschrieben und ich habe eine Zusage per Mail bekommen, dass das Zimmer noch frei ist. Ich habe mir das Zimmer angeschaut, es ist super und sehr billig (im vergleich zu den meisten) und … der Vermieter ist Deutscher und ist Abteilungsleiter von A&C bei Siemens ! Ich bin heute am späten Nachmittag eingezogen, und im nächsten Artikel gibts Bilder vom Haus und vom Zimmer. Ausserdem waren wir mal auf dem Campus von der Princeton University und habe kräftig Fotografiert… also dran bleiben !


New York, New York

September 8th, 2007
Der NJ Transit fährt von Trenton (die Haupstadt von NJ) nach NY, und hält in Princeton Junction, der Hauptbahnhof von Princeton an. Von dort braucht man ungefähr eine Stunde und zehn Minuten bis nach New York Penn Station, bei dem Madison Square Garden. Die Fahrt ist relativ angenehm, auch wenn die Klimaanlage so stark angestellt ist, dass man einen Pullover braucht. Ausserdem müssen immer mehr zusteigende Leute im stehen reisen, je näher wir an NY kommen. Die Pennsylvania Station ist ein großer unterirdischer Bahnhof für U-Bahn und Züge, es gibt viele kleine Läden und vor allem sind überall Menschen. Am besten vertreten sind Chinesen und Japaner, aber es laufen auch viele Deutsche und Franzosen rum.

Am Ende der Rolltreppe erschien schon das Sonnenlicht, und es wurde immer wärmer und lauter ! Als wir oben ankamen, war es wie in einem Film: überall waren Menschen und Taxis, und die Gebäude waren riesig. Wir sind dann einfach Richtung Times Square marschiert, ohne genau zu wissen, wo wir überhaupt hin wollten. Statt viele Worte gibt es jetzt Bilder:

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Das letzte Bild stellt ein Kunstwerk dar, das wohl zwischen den beiden Twin towers stand, und das nach dem “Attentat” unter dem Schutt vergraben war. Quasi unbeschadet wurde es anschließend geborgen, und symbolisch neben den Battery Park im Süden von NY aufgestellt, in der Nähe des Ufers. Soviel zur Kultur !

Dienstag den 11. September (ja, am 11. !) müssen alle Prakikanten an einem “Orientation Shop” teilnehmen. Das Ding geht von 10 bis halb eins, und dann werden wir wohl den Nachmittag in NY verbringen, und das ist auch gut so, weil man in einem Mal nicht mal ein Viertel der Stadt gesehen hat :D . Selbstverständlich gibt es dann auch wieder Bilder, wenn nicht gerade ein Unglück bei der United Nations Plaza passiert ! Solong, morgen gibts ein Artikel über die erste Arbeitswoche, die anderen Interns und meine Wohnungssuche. Solong … :)


Die ersten Tage

September 6th, 2007
Das Hotel ist sehr gemütlich, die Lage ist sehr Zentral und das Personal sehr freundlich. Hier ein paar Bilder:

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Am ersten Abend habe ich dann Florentin getroffen, Raum 364. Das weiß ich, weil der indische Rezeptionist mir das gesagt hatte. Ich bin also hoch auf sein Zimmer, und als die Tür auf ging, stand ein fast 2 Meter große Riese vor mir :D Jetzt weiß ich, wie sich die meißten Leute fühlen, wenn sie mich anschauen :D Wie auch immer, wir haben eine ganze Weile geplaudert und haben uns gut verstanden. Flo studiert in Wolfenbüttel (bei Braunschweig) Medieninformatik, ist 1.97M gross und ist überzeugter Apple-Fan.

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Florentin hatte den Tag zuvor schon sein Leihwagen abgeholt, und deswegen konnten wir den nächsten Morgen mit seinem Auto die 30 Meilen zur Autovermietung beim Sheraton Hotel in Iselin fahren. Das Auto ist schon reserviert, ich muss 2 mal unterschreiben, und schon krieg ich einen Schlüssel in die Hand gedrückt. Ab auf den Parkplatz des Luxushotels, und das Auto suchen. Wie ? Ganz einfach, auf dem Schlüssel ist ein Knopf, der das Auto hupen lässt - ganz praktisch, wenn man sich nicht mehr daran erinnert, wo man geparkt ist :D Ich folge dem Hupen, und siehe dort, ein blauer KIA Optima V6.

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Das Teil fährt sich wie Butter, es gibt Klimaanlage, 5 Gänge mit Tiptronic, Tempomat, 4 automatische Fensterheber und Hupe :D Man gewöhnt sich ganz schnell an das automatische Getriebe, es ist sehr angenehm und ich wundere mich, warum wir in Europa noch nicht alle auf solch ein Getriebe umgestiegen sind: Man kann den Motor nicht abwürgen, das Fahren ist nicht so stressig und das Anfahren am Berg ist auch kein Problem (auch wenn es hier kaum Berge hat). Wie auch immer, wir werden voraussichtlich das Auto jeden Monat auswechseln, ich bin schon mal gespannt, was als nächstes dran ist. Florentin fährt übringens einen grauen Saturn (natürlich nicht so cool wie mein Auto, versteht sich :D )

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Jetzt hatte ich ein Auto, einen vollen Tank und Hunger ! Auf dem Rückweg haben wir uns in ein Kentucky Fried Chicken (und nicht andersum :D) gewagt, und habe ein fried chicken mit Potatoes gegessen. Von der medium Portion wurde ich relativ schnell satt, und die Cola-refill-Station gehört jetzt auch zu meinen Lieblingsgeräten. Wir hatten ein langes Wochenende vor uns, da in USA der 3. September ein Feiertag ist: Labor Day. Wir haben uns also vorgenommen, am Samstag den 1. September nach New York zu fahren. Die Praktikanten dürfen den Leihwagen nicht bis nach NY fahren (aus Versicherungsgründen), und deswegen sind wir mit dem Zug gefahren. Einen Bericht un Bilder dazu gibt es erst beim nächsten Mal !


… und endlich ging’s los !

September 6th, 2007
Endlich ist es so weit: Es ist Donnerstag früh um fünf, der Wecker klingelt endlich. Obwohl ich schon die ganze Nacht wach bin, war das Aufstehen problemlos. Ab unter die Dusche, schnell noch was essen, die Eltern und Geschwister aus dem Bett jagen und das Gepäck ins Auto legen. Noch schnell wird Abschied genommen, und schon sitze ich im Auto in Richtung Flughafen von Nizza.

Es ist noch sehr dunkel, und der Flughafen ist so gut wie still und leer. Meine beiden Koffer (15 und 17 kg) wurdem eingecheckt, mein Vater kam noch bis zum Security-Check mit, und dann saß ich alleine im erstaunlich vollen Wartersaal. Mindestens eine Stunde Zeit hatte ich bis zum Boarding von meiner Boeing 737, also habe ich entspannt ein Film angeschaut. “Good Advice”, mit Charlie Sheen. Ich mag Charlie Sheen, und der Film war lustig. Jetzt sitze ich im Flieger, über dem Fügel, und langsam geht die Sonne auf über Südfrankreich.

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Nach einer Stunde und 40 Minuten lande ich in Frankfurt. Das wetter ist ganz OK, aber ich habe Hunger. Zum Glück habe ich mehr als 3 Stunden Zeit, um den Anschluss zu kriegen. Hoffentlich gibt es ein McDonald’s mit Drahtloser Internetverbindung !

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Ein McDonald’s habe ich gefunden, allerdings war Internet kostenpflichtig. Deswegen habe ich mir stattdessen einen zweiten Film angeschaut: Mr. Brooks. Sehr eingenartig, aber irgendwie faszinierend !

Jetzt ist es kurz vor Mittag, ich kann endlich einchecken. Vor dem Terminal Parkt gerade ein Monster aus Stahl und Kunststoff: Meet Mr. 747 :

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Eine Stimme ertönt im Warteraum: “Bitte einsteigen !”. Ich sitze jetzt Platz 54G am Gang, neben einer jungen Amerikanerin aus NY, mit der ich mich während des Fluges nett unterhalten habe. Tatiana, if you are reading this, Hello :)

Endlich setzt sich der Vogel in Bewegung, der Start ist laut und alles wackelt. Die Flügel biegen sich unter den fast 180 Tonnen Gewicht fast zwei Meter nach oben, ich kann deren Spitze nicht mehr sehen. Während des Fluges wurden “Shrek 3″ und “Blades of Glory” gezeigt, leider waren beide schlecht und mir wurde langweilig. Zum Glück gab es nach einer Weile etwas zu essen : Hähnchen mit Reis, Salat und Pudding. Anschliessend mussten alle Passagiere ein Immigrations-Formular und Zoll ausfüllen, das beweist, dass man weder Bomben noch Tropikalische Erreger im Gepäck sitzen hat. Warum denn auch nicht !

Nach 8 Stunden und 25 Minuten Lande ich in New-York Newark. Jetzt müssen noch drei Hürden überwunden werden: Das Immigration Office, wo sehr gebildete Leute einem den Pass anschauen und fragen, was einer überhaupt in dem Land will, dann muss man sein Gepäck finden (natürlich kam mein erster Koffer ganz am Anfang, und der zweite ganz am Ende). Schliesslich muss man dem Zollbeamten sein Zollpapier geben, und … Welcome to the United States of America !

Frank wartet bereits seit einiger Zeit im Arrival Hall. Frank ist ein SCR Praktikant, der schon seit 8 Monaten dort ist. Wir erkennen uns sofort, und bewegen uns Richtung Auto. Die letzte Glastür von dem Flughafen geht auf, und dann der Schock: Ungefähr 30 Grad und die Luft ist sehr Feucht. Unerträglich ! Zu Glück gab es in dem dicken Chrysler von Frank eine Klimaanlage, die sehr schnell die Luft auf eine angenehme Temperatur gebracht hat.

Wir fahren ungefähr eine halbe Stunde, und ich bohre Frank mit Fragen durch. Ich hatte keinen Bock mehr, mein reserviertes Auto abzuholen: Ich wollte so schnell wie möglich ins Hotel. Wir haben noch schnell im Supermarkt in Plainsboro (eine Nachbarstadt von Princeton) ein Sandwich gekauft, und dann hat mich Frank zum Hotel gefahren: Das Holiday Inn.

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Ich bekomme das Zimmer 145, gleich am Eingang. Es ist sehr Groß, sauber und gemütlich. Die Klimaanlage läuft bereits, und auf dem Bett liegen 4 Kopfkissen. Ausserdem habe ich einen kleinen Kühlschrank und eine Mikrowelle damit ich nicht verhunger. Ich stelle noch schnell meine Koffer ab, und starte den Laptop um allen über Internet zu sagen, dass ich gut angekommen bin. Wenn das mal kein guter Anfang ist !

Fortsetzung folgt bald, jetzt habe ich Kohldampf, und wir gehen mit der Truppe, die ich euch beim nächsten Post vorstellen werde, beim nächsten Fast Food essen. The american way of life, halt :D


Die Vorbereitungsphase

September 6th, 2007
Als ich am 19. März gegen 17 Uhr den Telefonhörer auflegte wurde mir klar, dass ich Ende August nach Princeton fliegen würde. Das Telefoninterview war sehr fachorientiert, und anspruchsvoller als ich dachte, aber ich hatte es gepackt: Ich wurde bei Siemens Corporate Research angenommen !

Mit insgesamt 430 Mitarbeitern ist Siemens Corporate Research in Princeton, New Jersey, USA, das größte Forschungszentrum von Siemens außerhalb Europas. Seit über 25 Jahren werden hier herausragende Innovationen entwickelt: Vor allem bei der medizinischen Bildgebung und der Echtzeit-Darstellung gehört SCR heute zu den führenden Forschungseinrichtungen.

SCR gliedert sich in 8 Abteilungen: Automation & Control (da wo ich bin !), Imaging & Visualization, Integrated Data Systems, Intelligent Vision & Reasoning, Real-time Vision & Modeling, Multimedia & Video Technologies, Software Engineering, User Interface Design.

Für weitere Infos, hier ist die offizielle Homepage von SCR:
http://www.scr.siemens.com

Ich hatte also den ganzen Sommer Zeit, um dieses Abenteuer vorzubereiten. Wenn ich nur gewusst hätte, wie hirnrissig das Verfahren ist, um ein Visum zu erhalten, hätte ich auch sofort damit angefangen.

Ein J1-Visum erhalten Praktikanten, Au-Pairs, Trainees, Austausch-Schüler und Hoch- schulabsolventen, die an einem Trainingsprogramm im Anschluß an ihr Studium teilnehmen. Folgende Schritte sind erforderlich:

» Finden der Trainee- oder Praktikumsstelle
» Erhalt des Formulars DS-2019 durch Arbeitgeber
» Kranken-, Unfallversicherung zahlen ($45 pro Monat)
» Visum-Antrag
» Termin bei dem nächsten US Konsulat ausmachen (15€ pro Anruf, oft mehr als 2 Monate Wartezeit)

Zum Konsulat sollte man folgende Dokumente mitbringen:
» Reisepass (gültig mindestens sechs Monate über den geplanten Aufenthalt hinaus)
» Visum-Antragsformulare DS-156, DS-157 und DS-158
» DS-2019
» Aktuelles Paßfoto in Farbe
» Überweisungsbeleg für die Bearbeitungsgebühr (80€)

» Zum Konsulat fahren (pünktlich !), Papiere und Pass abgeben
» Der Pass kommt nach wenigen Tagen per Post an, das Visum klebt auf einer Seite !

So sieht es aus:

Das J Visum

Man beachte, dass ich nicht zum Konsulat fliegen konnte, da dort der Pass einbehalten wird, und so gut wie jede Airline diesen verlangt. Also sind wir mit dem Auto von Nizza nach Frankfurt gefahren… Warum Frankfurt ? Weil in Paris die Wartezeit mehr als 14 Wochen betrug ! In Deutschland kann man zwischen 4 verschiedenen Konsulaten waehlen, in Frankreich ist alles in Paris. Deswegen die langen Wartezeiten.

Schliesslich hatte ich alles, und es konnte endlich losgehen !